
Bei meinem ersten Auftritt auf der großen Bühne der Leichtathletik war ich gerade mal acht Jahre alt. Vor mehreren tausend Zuschauern beim ISTAF im Berliner Olympiastadion bestritt ich in einem Rahmenprogramm meinen ersten 50-Meter-Lauf und von diesem Moment an war mir klar: Leichtathletik ist meine Leidenschaft. Dass ich Hochspringerin werden würde wusste ich damals allerdings noch nicht, denn in meiner Jugendzeit bei meinem Verein LG NORD BERLIN habe ich sowohl Sprint- als auch Sprungdisziplinen trainiert und Mehrkämpfe bestritten.
Auch sieben Jahre später war noch nicht klar, auf welche Disziplin ich mich spezialisieren wollte und so war es auch nicht verwunderlich, dass ich meine erste Medaille bei einer Deutschen Meisterschaft im Mehrkampf gewann. Als ich dann aber im gleichen Jahr die 1,77 Meter knackte, war meine Entscheidung für den Hochsprung gefallen. Trotzdem dauerte es noch zwei weitere Jahre bis ich in meiner Lieblingsdisziplin angreifen konnte, denn kurz nachdem ich meine Wahl getroffen hatte, zog ich mir einen Bruch am Schienenbeinkopf zu. Das war ein schwerer Rückschlag und kam, wie jede Verletzung, zu einem unpassenden Zeitpunkt. Im Jahr 2004 war ich dann endlich wieder richtig fit, konnte ins Wettkampfgeschehen eingreifen und meine Sprunghöhe auf 1,80 Meter steigern.
Dass es im Leben nicht immer stetig bergauf geht, musste ich in den folgenden Jahren feststellen, denn trotz hartem und ambitioniertem Training konnte ich meine Höhe nur um wenige Zentimeter verbessern. In dieser Phase fiel es mir teilweise sehr schwer, mich täglich zu motivieren, obwohl der Sport meine Leidenschaft ist. Trotzdem habe ich nie aufgegeben, sondern die Zeit genutzt, um neue und bereichernde Erfahrungen zu sammeln: Mit Abenteuerlust und sozialem Interesse an der großen weiten Welt machte ich mich nach dem Abitur auf den Weg nach Kirgisistan. Dort absolvierte ich in einem Straßenkinderheim ein freiwilliges soziales Jahr, lernte Russisch und trainierte mit Igor Paklin, dem ehemaligen Weltrekordhalter im Hochsprung. Die Zusammenarbeit mit ihm hat mir sehr viel gegeben und ich habe tiefe Einblicke in die Disziplin erhalten.
Diese Reise gab mir einem gewaltigen Motivationsschub und die Entscheidung, mehr in den Sport zu investieren, fiel zum Ende der Saison 2008, als ich mit 1,91 Meter Deutsche Juniorenmeisterin wurde und im darauf folgenden Jahr bei den Deutschen Meisterschaften Silber gewann – und das sowohl in der Halle als auch draußen. Meine Geduld hatte sich ausgezahlt und trotz einer weiteren Verletzung konnte ich meine Leistung kontinuierlich steigern. Das zahlte sich mit dem elften Platz bei der Weltmeisterschaft in meiner Heimatstadt Berlin und meinem 2-Meter-Sprung im Jahr 2010 aus. Diese Erfolge zähle ich eindeutig zu meinen bisherigen Karrierehöhepunkten.
Obwohl ich mir ein Leben ohne Sport nicht mehr vorstellen kann, habe ich auch andere Interessen, die mir mindestens genauso wichtig sind – zum Beispiel mein Architekturstudium. Beim Entwerfen und Planen kann ich meine kreative und gestalterische Ader ausleben und gleichzeitig Energie für die nächsten Sprünge sammeln. Das ist eine Kombination, an der ich wachsen kann, um immer neue Höhen zu überspringen.